Wenn in Berlin der Novemberregen beginnt und es um vier Uhr nachmittags dunkel wird, packen immer mehr Menschen die Koffer. Den Winter im Warmen zu verbringen, in Antalya, an der Algarve oder auf den Kanaren, ist längst nicht mehr nur etwas für Rentner. Wer drei, vier oder fünf Monate weg ist, steht aber vor einer ganz praktischen Frage: Was passiert in der Zeit mit dem Auto in Berlin? Weiterlaufen lassen, abmelden oder auf ein Saisonkennzeichen umsteigen? Wir rechnen die Varianten durch.

Viele, die Jahr für Jahr in den Süden fahren, denken irgendwann über eine eigene Bleibe nach statt Ferienwohnung und Hotel. Wer mit dem Gedanken spielt, findet bei Spezialisten wie Haus oder Wohnung in der Türkei kaufen deutschsprachige Beratung vor Ort. Doch zurück zum Auto, denn das steht währenddessen in Berlin.

Die Ausgangsfrage: Was kostet ein Auto, das nur steht?

Ein angemeldetes Auto kostet auch dann Geld, wenn es keinen Meter fährt. Kfz-Steuer und Haftpflichtversicherung laufen weiter, bei Vollkasko oder Teilkasko kommt noch mehr dazu. Je nach Fahrzeug und Versicherung können so für vier Wintermonate schnell einige hundert Euro zusammenkommen, für ein Auto, das in dieser Zeit nur Laub sammelt.

Dazu kommt in Berlin ein praktisches Problem: der Stellplatz. Wer in der Innenstadt am Straßenrand parkt, muss sein Auto auch im Winter regelmäßig umsetzen, etwa bei Baustellen, Umzügen in der Nachbarschaft oder mobilen Halteverbotsschildern. Steht das Auto dann im Halteverbot, wird es abgeschleppt, während Sie am Strand liegen. Das ist teuer und ärgerlich.

Es lohnt sich also, vor der Abreise kurz nachzudenken. Drei Varianten stehen zur Wahl.

Variante 1: Angemeldet lassen

Die bequemste Lösung: Sie tun gar nichts. Das Auto bleibt zugelassen und versichert, und wenn Sie zurückkommen, steigen Sie einfach ein. Das ist sinnvoll, wenn Sie nur wenige Wochen weg sind, wenn jemand aus der Familie das Auto in der Zwischenzeit nutzt oder wenn ein fester, sicherer Stellplatz vorhanden ist.

Sprechen Sie in diesem Fall mit Ihrer Versicherung. Manche Tarife lassen sich für die Standzeit anpassen, zum Beispiel indem der Fahrerkreis geändert wird. Und sorgen Sie dafür, dass jemand vor Ort nach dem Auto schaut, falls doch ein Halteverbotsschild aufgestellt wird. Ein Nachbar mit Ersatzschlüssel ist Gold wert.

Drei Varianten für das Auto im Winter: angemeldet lassen, Saisonkennzeichen, abmelden
Drei Wege, ein Ziel: kein Geld für ein Auto verschwenden, das nur steht.

Variante 2: Saisonkennzeichen

Für alle, die jedes Jahr zur gleichen Zeit wegfahren, ist das Saisonkennzeichen oft die eleganteste Lösung. Sie legen einmal fest, in welchen Monaten das Auto zugelassen ist, zum Beispiel von März bis Oktober. Die Saison muss mindestens zwei und darf höchstens elf Monate dauern. Die Monate stehen klein am rechten Rand des Kennzeichens.

Der Vorteil: Kfz-Steuer und Haftpflicht werden nur für die Saison berechnet. Außerhalb der Saison müssen Sie nichts an- oder abmelden, das Kennzeichen wird einfach wieder gültig, wenn der erste Saisonmonat beginnt. Viele Versicherer bieten in der Ruhezeit außerdem einen Schutz gegen Schäden am abgestellten Fahrzeug, die sogenannte Ruheversicherung. Fragen Sie konkret nach.

Der Haken: Außerhalb der Saison darf das Auto weder auf öffentlichen Straßen fahren noch dort parken. Sie brauchen also einen privaten Stellplatz, eine Garage oder einen Platz auf einem Grundstück. Wer nur am Straßenrand parken kann, für den funktioniert das Saisonkennzeichen leider nicht. Einen guten Überblick über die Regeln gibt auch der ADAC-Ratgeber zum Saisonkennzeichen. Wie wir die Umstellung für Sie erledigen, lesen Sie auf unserer Seite zum Saisonkennzeichen in Berlin.

Variante 3: Abmelden und im Frühjahr wieder anmelden

Wer unregelmäßig verreist oder dieses Jahr zum ersten Mal überwintert, kann das Auto auch ganz klassisch abmelden. Steuer und Versicherung enden mit der Abmeldung, zu viel gezahlte Steuer bekommen Sie zurück. Im Frühjahr melden Sie es wieder an. Auf Wunsch können Sie Ihr bisheriges Kennzeichen für die Wiederzulassung reservieren lassen.

Auch hier gilt: Ein abgemeldetes Auto darf nicht auf öffentlicher Straße stehen. Ohne privaten Stellplatz geht es also auch bei dieser Variante nicht. Dafür sind Sie flexibler als beim Saisonkennzeichen, weil Sie jedes Jahr neu entscheiden.

Rechnen Sie dabei die Gebühren für Ab- und Anmeldung gegen die gesparten Kosten. Bei kurzen Abwesenheiten lohnt sich der Aufwand oft nicht. Bei vier oder fünf Monaten sieht das meist anders aus. Die Abmeldung vor der Abreise und die Wiederanmeldung nach der Rückkehr übernehmen wir gern. Mehr dazu auf unseren Seiten Fahrzeug abmelden in Berlin und Abgemeldetes Auto wieder anmelden.

Vergleich Saisonkennzeichen und Abmeldung für den Winter
Wer jedes Jahr gleich verreist, fährt mit dem Saisonkennzeichen am bequemsten.

Und wenn das Auto mit in den Süden soll?

Manche fahren lieber selbst, zum Beispiel weil sie vor Ort mobil sein wollen oder Haustiere dabei haben. Dann bleibt das Auto in Deutschland angemeldet und versichert. Prüfen Sie vorher, ob Ihre Versicherung das Reiseland abdeckt, und nehmen Sie die Grüne Karte mit.

Wichtig sind außerdem die Regeln des Ziellandes. Innerhalb der EU dürfen Sie mit deutschem Kennzeichen in der Regel problemlos einige Monate fahren. Außerhalb der EU gelten oft feste Fristen für die vorübergehende Einfuhr. In der Türkei zum Beispiel ist der Aufenthalt mit einem ausländischen Fahrzeug ohne Aufenthaltserlaubnis zeitlich begrenzt. Informieren Sie sich vor der Abreise bei offiziellen Stellen wie den Reise- und Sicherheitshinweisen des Auswärtigen Amts zur Türkei, wo auch die Einreisebestimmungen zusammengefasst sind.

Denken Sie außerdem an die Hauptuntersuchung. Wird sie fällig, während Sie im Ausland sind, sollten Sie sie vor der Abreise vorziehen.

So steht Ihr Auto den Winter gut durch

Egal welche Variante Sie wählen: Ein Auto, das monatelang steht, braucht ein wenig Vorbereitung. Diese Punkte haben sich bewährt:

  • Batterie: Abklemmen oder ein Erhaltungsladegerät anschließen, sonst ist sie im Frühjahr leer.
  • Reifen: Luftdruck leicht erhöhen, damit keine Standplätten entstehen.
  • Tank: Möglichst voll tanken, das verringert Kondenswasser im Tank.
  • Handbremse: Bei langer Standzeit lieber Gang einlegen und Keile nutzen, damit die Bremse nicht festrostet.
  • Innenraum: Gründlich reinigen, keine Lebensmittel zurücklassen, ein Fenster einen Spalt offen lassen, wenn das Auto in einer trockenen Garage steht.
  • Papiere: Fahrzeugschein und Zweitschlüssel nicht im Auto lassen.
Checkliste: Auto für eine lange Standzeit im Winter vorbereiten
So übersteht Ihr Auto die Standzeit ohne böse Überraschungen.

Zurück in Berlin: der Neustart im Frühjahr

Nach Monaten in der Sonne ist die Rückkehr nach Berlin oft ein kleiner Schock, und das Auto braucht ebenfalls einen Moment, um wieder in Gang zu kommen. Planen Sie für die ersten Tage nach der Ankunft ein paar Minuten für einen kurzen Check ein, bevor Sie zum ersten Mal losfahren.

Schließen Sie die Batterie wieder an oder prüfen Sie ihren Ladezustand. Korrigieren Sie den Reifendruck auf den normalen Wert und schauen Sie, ob sich Standplätten gebildet haben. Lassen Sie den Motor eine Weile im Stand laufen, prüfen Sie Ölstand und Kühlwasser und bremsen Sie auf den ersten Metern vorsichtig, bis Flugrost von den Bremsscheiben abgefahren ist. Kleine Tiere wie Marder lieben stillstehende Autos im Winter, ein Blick unter die Motorhaube auf angeknabberte Schläuche und Kabel schadet nie.

Haben Sie das Auto abgemeldet, kommt jetzt die Wiederanmeldung. Dafür brauchen Sie eine neue eVB-Nummer Ihrer Versicherung, die Fahrzeugpapiere, Ihren Ausweis und eine gültige Hauptuntersuchung. Ist die HU während Ihrer Abwesenheit abgelaufen, muss das Auto zuerst zur Prüfung. Beim Saisonkennzeichen entfällt der Behördengang, hier wird das Kennzeichen zum ersten Saisonmonat einfach wieder gültig.

Unsere Entscheidungshilfe

Zum Schluss eine einfache Faustregel aus unserer Erfahrung. Sind Sie nur wenige Wochen weg oder nutzt jemand das Auto in der Zwischenzeit, lassen Sie es angemeldet. Fahren Sie jedes Jahr zur gleichen Zeit weg und haben einen privaten Stellplatz, ist das Saisonkennzeichen ideal. Ist es Ihr erster Winter im Süden oder planen Sie unregelmäßig, melden Sie das Auto ab und im Frühjahr wieder an. Und wenn Sie merken, dass Sie das Auto eigentlich nur noch im Sommer für ein paar Ausflüge brauchen, ist vielleicht auch ein Verkauf eine Überlegung wert.

Häufig gestellte Fragen

Lohnt sich ein Saisonkennzeichen, wenn ich im Winter verreise?

Ja, wenn Sie jedes Jahr zur gleichen Zeit weg sind und einen privaten Stellplatz haben. Steuer und Haftpflicht fallen dann nur für die gewählten Monate an, und das Kennzeichen wird zur Saison automatisch wieder gültig.

Wie lange muss eine Saison mindestens dauern?

Mindestens zwei und höchstens elf Monate. Die Saison beginnt am ersten Tag des Startmonats und endet am letzten Tag des Endmonats.

Darf ich mein Auto außerhalb der Saison an der Straße parken?

Nein. Außerhalb der Saison darf das Fahrzeug weder auf öffentlichen Straßen fahren noch dort abgestellt werden. Sie brauchen einen privaten Stellplatz.

Kann ich mein Kennzeichen behalten, wenn ich das Auto abmelde?

Ja. Sie können das Kennzeichen für die Wiederzulassung auf Ihren Namen reservieren lassen. Im Frühjahr bekommt das Auto dann wieder dieselbe Nummer.

Was ist eine Ruheversicherung?

Ein Schutz, den viele Versicherer für abgemeldete oder außerhalb der Saison abgestellte Fahrzeuge anbieten. Er kann zum Beispiel Schäden durch Brand oder Diebstahl abdecken. Die Bedingungen unterscheiden sich, fragen Sie Ihren Versicherer.

Können Sie die Abmeldung erledigen, wenn ich schon verreist bin?

Ja, mit einer Vollmacht. Eine Vertrauensperson übergibt uns Papiere und Kennzeichen, wir melden das Auto in Berlin ab und im Frühjahr auf Wunsch wieder an.

Unser Fazit

Wer den Winter im Süden verbringt, muss sein Auto in Berlin nicht teuer durchfinanzieren. Mit Saisonkennzeichen oder einer Abmeldung sparen Sie Steuer und Versicherung, solange ein privater Stellplatz vorhanden ist. Ohne Stellplatz bleibt meist nur, das Auto angemeldet zu lassen oder zu verkaufen. Entscheiden Sie in Ruhe, bereiten Sie das Auto gut vor und genießen Sie die Sonne. Um Papiere und Kennzeichen kümmern wir uns gern.